LTG Story


Die LTG-Story

Der Anruf kam kurz vor Weihnachten 2003. Harpo wollte unsere Homepage neu gestalten und hatte schon ein Link für die “ LTG –Story “ eingerichtet und diese Lücke musste ( sollte )  nur noch gefüllt werden.

“ Kannst du nicht etwas über die LTG schreiben “ fragte Harpo. Ohne groß zu überlegen sagte ich spontan zu. Wird ja wohl nicht so schwer sein, dachte ich mir, über diesen “Haufen “  ein paar Zeilen zu Papier zu bringen. Schließlich war ich von Anfang an dabei.

Doch je mehr ich nachdachte, was man schreiben kann, umso weniger viel mir ein.

Also habe ich mir erst einmal Fotos der letzten Schützenfeste angesehen, und so langsam kam die Erinnerung wieder.

 Angefangen hat alles mit dem Schützenfest 1987. Schützenfest wird in Brakelsiek alle 2 Jahre über die Pfingstfeiertage gefeiert. Schützenfest in Brakelsiek heißt aber auch für meisten Bewohner des Dorfes 8 Tage Ausnahmezustand. Es beginnt mit dem Schmücken des Dorfes mit Tannen- und Birkengrün am Montag und Dienstag vor Pfingsten  und endet dann am Pfingstmontag mit dem  Katerfrühstück Dazwischen liegt dann der pure Spaß. So wird ein Schützenfest sicherlich ( fast ) überall gefeiert.

Schützenfeste haben in unserem Dorf eine lange Tradition. Die Schützengesellschaft, seit ca. 4 Jahren ein Schützenverein e. V.,  geht zurück auf das Jahr 1863. Das erste Schützenfest nach dem Krieg wurde bereits wieder 1953 gefeiert.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz im Schützenverein, dass beim Umzug am Pfingstsonntag, wenn es zum Schützenkönig geht, eine etwas gelockerte Kleiderordnung gilt als an den anderen Tagen. So geht dann am Sonntag schon mal ein “ Arzt mit einer mehr oder weniger hübschen Krankenschwester “ mit, der dann während des Umzuges Medizin – sprich warmen Wachholder – oder bei  “Fußkranken “ entsprechende Verbände verabreicht.

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Ich kann heute nicht mehr sagen, wer eigentlich auf die Idee kam, an diesem gewissen Pfingstsonntag etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen. Wir wollten mit einer eigenen Truppe, neben der Schützen- und Jägerkompanie, am Umzug teilnehmen.  Sicherlich ist diese Idee aus einer Bierlaune heraus geboren worden, aber egal, es waren gut 10 (damals noch) junge Leute aus dem Dorf bereit, an diesem Spaß  teilzunehmen. Was dabei heraus gekommen ist, kann man auf dem folgenden Bild vom Schützenfest 1987 sehen.

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Natürlich musste sich diese neue Truppe einen Namen geben, denn schließlich wollte der Schützenvorstand wissen, wer oder was sich hinter diesen 10 Personen verbirgt. Da wir alle gerne Bier trinken, und beim Schützenfest geben wir uns ja alle große Mühe,  sollte ein Name gefunden werden, der etwas mit dieser Tätigkeit zu tun hat.

Nach diversen Vorschlägen kam letztlich einer auf den schlichten Namen :


 Lippische Trinkergemeinschaft  ( LTG )

Ich muss zugeben, mir persönlich hat diese Bezeichnung “ Trinkergemeinschaft “ nie so  richtig gefallen. Sie hat so etwas negatives, abwertendes und  es geht in die Richtung Alkoholiker.

Bei uns steht nämlich nicht das Trinken im Vordergrund, sondern der Spaß, die Geselligkeit und der freundschaftliche Zusammenhalt innerhalb der Gruppe.


Das zeigt sich auch bei anderen Aktivitäten, die wir gemeinsam unternehmen. Doch zu diesen Unternehmungen komme ich später zurück.

Ich möchte ein Ereignis erwähnen, dass jetzt ungefähr 7 oder 8 Jahre abgespielt hat (Für die nicht rechnen können, es war 1997).

               Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass die Unternehmungen, die wir bei den Schützenfesten unternahmen, nicht ohne zusätzlichen finanziellen Beitrag eines jeden einzelnen Mitgliedes der LTG durchzuführen waren. Wir hatten also eine Kasse angelegt. Und in diese Kasse hatte sich mit der Zeit ein kleines Guthaben angesammelt.

Also beschlossen wir, da wir kein Sparverein sind, mit diesem Geld etwas für das Dorf  zu tun. Da die meisten von uns damals noch kleine Kinder  hatten, war schnell die Idee geboren, einen Sandkasten und ein Schaukeltier ( das sind diese komischen Spielgeräte, mit denen die Kinder auf einem Hund oder ähnlichem Tier, das an einer Stahlspirale befestigt ist, hin und her wippen können. Man kennt sie auch unter dem Pseudonym: www wipp-wau-waus ).

Gesagt getan. Diese Geräte sollten auf dem Rasen vor dem Gemeindehaus in Brakelsiek aufgestellt werden.

Es wurde Verbindung zum Pastor aufgenommen um die Aktion abzuklären. Der Termin  stand, die Geräte bestellt und angeliefert. An einem Freitagnachmittag wollten wir die Sachen aufstellen. Sogar der Herr Pastor kam extra zum Arbeitseinsatz  aus Schwalenberg angereist, um mit anzufassen.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich den Pastor damals noch nicht persönlich kannte und ich mich über den “ Unbekannten “ gewundert habe, der da fleißig mitgeholfen hat. Während wir also damit beschäftigt waren, das Fundament auszuheben, die Hölzer für den Sandkasten zusammenzustecken, Sand hin und her zufahren, kam das Gespräch auch auf unsere Truppe und das Wort ” LTG “ fiel.

               Da der Herr Pastor von der LTG bisher nichts gehört hatte, fragte er plötzlich  “Was heißt das eigentlich, die LTG ? “ Da in diesem Moment kein Anderer etwas sagte, wollte ich auch nicht sagen: “ Wir sind die Lippische Trinkergemeinschaft “. Was hätte der Kirchenvertreter von uns bloß gedacht ?

Da fiel mir auf die Schnelle  nur eine Abwandlung der Abkürzung LTG ein

 Ich sagte ihm:  “ LTG bedeutet

     Lipper tun Gutes

Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dieser spontane Einfall trifft den Kern unsere  Gruppe wesentlich genauer. Damals haben wir für unser Dorf bzw. für die Kinder und vielleicht auch für uns, etwas Gutes getan. Diese Einstellung ist bis heute bei allen Anderen auch noch so geblieben.

Mit den Jahren ist aus den anfänglichen 10 Personen mittlerweile eine Stammbesatzung von 16 Männern geworden. Der Eine oder Andere hat die LTG verlassen, entweder weil er  umgezogen ist oder weil er  keine Lust mehr hatte. Andere sind hinzugekommen und noch größer wollen wir eigentlich auch nicht werden.

Wir sind auch eine sehr gemischte Gruppe, was das Alter und die Berufe angeht. Der Jüngste von uns ist Ende 30 und der Älteste Ende 50. Wir haben in unseren Reihen u. a. einen Bauunternehmer, einen Tischler, einen Maschinenbaumeister, einen EDV-Spezialisten, ja sogar zwei Beamte sind bei uns aktiv. 


Eines muss ich allerdings sagen, dass bei uns nicht so gut ist. Das ist die Frauenquote; denn die ist gleich Null. Und das ist wiederum gut so, um es mit den Worten eines bekannten Politikers aus Berlin zu sagen.

Ich muss aber mal an dieser Stelle zugeben, dass unsere Ehefrauen für unser “ Hobby “  meistens viel Verständnis zeigen und sehr tolerant sind, obwohl das nicht immer einfach ist.


               So stehen bei uns dann alle 2 Jahre kurz vor Pfingsten die Überlegungen an: Was machen wir in diesem Jahr. Setzten wir mal aus und machen gar nichts und überlassen mal den anderen Schützen mal neue Einfälle.

Aber seit 1987 haben wir als LTG jedes Schützenfest mitgemacht und sind am Pfingstsonntag mit unterschiedlichen Verkleidungen mitmarschiert.

Auf den folgenden Fotos sind mal die einzelnen Aktivitäten festgehalten.

Schützenfest 1987

Schützenfest 1987

Schützenfest 1989

Schützenfest 1989

Schützenfest 1991

Schützenfest 1991

Schützenfest 1993

Schützenfest 1993

Schützenfest 1995

Schützenfest 1995

Schützenfest 1997

Schützenfest 1997

Schützenfest 1999

Schützenfest 1999

Schützenfest 2001

Schützenfest 2001

Schützenfest 2003

Schützenfest 2003

Schützenfest 2005

Schützenfest 2005

Die meiner Meinung nach besten Einfälle hatten wir bei den Schützenfesten 1991 und 2003.

1991 war es die Idee von Öli, unserem Maschinenbaumeister und Tüftler, für die gesamte Mannschaft einen Roller zu bauen.

Als Trittbrett musste ein Stahl-Träger herhalten, an dem dann vorne und hinter 2 Ballonreifen befestigt wurden. Dazu kam dann noch eine Handbremse für die Stopps  und als Clou hat Öli im hinteren Bereich ein Eisengestell geschweißt, in dem genau eine Kiste Bier passte. Als Krönung wurde dann noch eine Halterung für einen Sonnenschirm befestigt. So fuhren wir dann damals, alle übrigens in Schwarz gekleidet, mit 12 Personen auf dem Roller durch das Dorf.

Der zweite geniale Einfall kam uns im letzten Jahr.

               Harpo war Schützenkönig geworden und Enzo, der erst 2003 Mitglied der LTG wurde, war auch noch mit im Hofstaat, und zwar als Sexminister Da mussten wir natürlich etwas Ausgefallenes  machen.

Es kamen viele Vorschläge, viele wurden wieder verworfen, doch einer blieb hängen  und wurde von den Meisten  favorisiert.  Wir sollten ein Lied singen. Ich muss zugegen, dass ich anfangs dagegen war, da wir zumal schon beim Schützenfest 1999 dem Königshaus ein Ständchen gebracht hatten und uns außerdem die Zeit für die Vorbereitungen davonlief. Aber, so ist das bei uns, die Mehrheit entscheidet und so wollten wir das mit dem Gesang durchziehen.

 

Ich glaube Karl war es, der mit dem Lied “ Mein kleiner grüner Kaktus “ ankam. Das sollten wir vortragen. Das Problem war aber, dass von uns keiner richtig singen kann. Keiner ist z. B.

im Männergesangverein, den wir natürlich in Brakelsiek auch haben. Singen können wir natürlich alle,  allerdings mehr laut als gut und wenn wir genug “ Zungenlöser” getrunken haben.

 

               Außerdem brauchten wir jemanden, der uns das Lied richtig beibringen  konnte. Der richtige Mann war schnell mit Jürgen Drewes aus Schieder gefunden. Er erklärte sich bereit, uns so gut wie möglich, auf den öffentlichen Auftritt vorzubereiten.

Die erste Probe hatten wir am Montagabend vor Pfingsten, nachdem wir die ersten  Fähnchen im Dorf aufgehängt hatten,  bei uns auf der Terrasse. Zwischen Bier und Bratwurst wurden die ersten Töne geschmettert. Es wurde von Jürgen festgelegt, wer  etwas leiser oder gar nicht und wer richtig laut mitsingen sollte. Es fing langsam an Spaß zu machen.

Der zweite Probeabend fand dann am Donnerstagabend bei Hartmut statt, der ein  wenig außerhalb des Dorfes wohnt,  dass uns wegen der Lautstärke sehr zu Gute kam, da wir auch wieder bei Hartmut auf der Terrasse sangen.  Wieder wurde das Lied zigmal rauf und runter gesungen,

Es machte uns immer mehr Spaß. Schließlich konnte jeder den Text auswendig.

 

Dann kam die Frage, was ziehen wir eigentlich am Sonntag an ?

 

Und hier kamen dann wieder die Frauen ins Spiel. Von Ihnen kam der Vorschlag einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd anzuziehen und einen Zylinder aufzusetzen Dazu dann blaue Schärpen um Bauch und um den Zylinder. Das mit den Schärpen nahmen einige Frauen in die Hand, denn die mussten extra angefertigt werden.

 

Für den Sonntagmorgen verabredeten wir uns dann wieder bei Hartmut, um noch einmal das Lied einzuüben und uns für den Umzug und auf den Auftritt vorzubereiten. Auch hierbei hatten wir wieder viel Spaß. Das lag aber nicht nur an dem sonnigen Wetter und an den Getränken.

Ich hatte zu den 3 Strophen des Originalliedes noch eine weitere Strophe gedichtet, die speziell auf unser Dorf und auf die LTG abgestimmt war.

Am Nachmittag haben wir dann das Lied in der Halle vor dem Königstisch vorgetragen.

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Ich glaube, es hat allen, die in der Sporthalle waren, gefallen. Uns jedenfalls hat es sehr viel Spaß gemacht.

Auf eine Sache möchte ich aber noch zurückkommen. Das sind unsere Aktivitäten, die wir gemeinsam unternehmen.

Im Prinzip haben wir im Jahr nur drei feste Termine. Das fängt mit dem ersten Wochenende im neuen Jahr an. Dann wird am Samstagnachmittag eine Wanderung von 3- 4 Stunden gemacht und anschließend bei unserer Stammtischwirtin Grünkohl  gegessen und “ etwas “ getrunken.

               Apropos Stammtisch. Seit einigen Jahren sind wir eingetragenes Mitglied im  Erdinger Weißbier Fanclub und treffen uns jeden ersten Mittwoch im Monat zum Stammtisch. ( es wird aber nicht nur Erdinger getrunken ).

Aber auch hier gilt die Devise: Es ist kein Muss, wer nicht kommt, hat frei.

 

Dann fahren wir einmal im Jahr, meistens im April, für ein Wochenende ins Kloster Kreuzberg. Das liegt in der Rhön bei Gersfeld und dort wird von den Mönchen ein hervorragendes Bier gebraut.

Zum Abschluss der festen Veranstaltungen wird dann an einem Septemberwochenende immer ein Spanferkel gebraten, aber richtiges. Dies ist ein  Fest, an dem dann auch unsere Frauen und unsere Kinder, meist bis 20.00 Uhr, teilnehmen (dürfen).

Das Sparferkel, wir haben das erste Schwein “Monika “ getauft und sind bereits bei Monika 5 angelangt, wird bereits morgens um 10 Uhr für den Grill zurecht gemacht und bleibt bis zum späten Nachmittag vor dem Solarium aus Buchenholz,  bis es die richtige Farbe angenommen hat. Jedem Visagisten kämen beim Anblick von Monika vor Freude die Tränen

               Das Holz für den Grill holen wir übrigens schon einige  Tage vorher mit einigen Leuten, nach Rücksprache mit dem Förster,  aus dem nahe liegenden Wald.

Allein schon diese Aktion macht uns allen sehr viel Spaß und einige freuen sich immer wieder auf das “ Kettensägenmassaker “   

 

Andere Feierlichkeiten werden von selbstverständlich auch gerne mitgenommen, als da wären: runde Geburtstage, Ankunft kleiner neuer Dorfbewohner, Hochzeiten, unrunde Geburtstage, Silberhochzeiten ( fängt langsam an ), Grillabende, Jubiläen oder nur so.

 

 

Wir sind kein Verein mit strikter Führung oder einer Satzung. Wir haben keinen Vorsitzenden, keinen Schriftführer oder sonstige Posten, die man von anderen Vereinen kennt. Die einzige feste Aufgabe die vergeben ist, ist der Mann für die Finanzen und das macht Dietmar, weil er Leiter einer Stadtkasse ist und daher weiß, wie man mit wenig Geld auskommen muss.

Alle anderen Aufgaben werden bei Bedarf auf die einzelnen Leute verteilt.

 

Für die Umzüge bei Schützenfest haben wir uns extra ein eigenes Banner entworfen und angefertigt. Natürlich mit einer Flasche Bier darauf.

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   Schotte mit Banner

 

Wie es mit uns weitergeht, jedenfalls was die Schützenfeste betrifft, wissen wir momentan leider noch nicht. Der gesamte Vorstand des Schützenvereines will  zurücktreten und Nachfolger sind noch nicht gefunden. Es könnte also durchaus sein, dass das Schützenfest 2003 vorläufig das letzt war, das hier im Dorf Brakelsiek gefeiert wurde.

 

Aber ich habe keine Bedenken das damit auch unsere Truppe aufgelöst wird. Denn für uns gibt es immer etwas zu tun, und wenn es nur für uns ist.

 

      Lipper tun Gutes.

 

Folgt Fortsetzung ?